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Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. (VEH e.V.) ist eine Bürgerrechtsorganisation und ein Selbsthilfeverein. Er hat das Ziel, die durch die schwarze Pädagogik bei der Heimerziehung aufgetretenen Körperstrafen und den sexuellen Missbrauch von Kindern aufzuklären sowie Kontakt zwischen den in bis weit über die Grenzen der Bundesrepublik verstreut lebenden Mitgliedern zu organisieren.

Zweck des Vereins Im Januar 2004 wurde in Paderborn von betroffenen ehemaligen Heimkindern ein erster Versuch gestartet, sich zu organisieren und die Interessengemeinschaft "Bundesvereinigung ehemaliger Heimkinder" gegründet. Durch interne Schwierigkeiten kam es in dieser Konstellation jedoch nie zu einer Vereinsgründung. Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. wurde schließlich am 14. Oktober 2004 in Idstein am Taunus gegründet und in Aachen in das Vereinsregister eingetragen. Im Verein sind vor allem Menschen organisiert, die in der Zeit von 1945 bis 1985 in Heimen gelebt haben. Ausgangspunkt für die Gründung des Vereins war das Unrecht und die massiven Menschenrechtsverletzungen, die Kindern und Jugendlichen vor allem in der Zeit von 1945 bis 1975 in kirchlichen und staatlichen Kinderheimen und Erziehungsheimen widerfahren ist. Der Verein setzt sich dafür ein, die unwürdigen und menschenverachtenden Erziehungspraktiken in den Kinderheimen und Erziehungsanstalten öffentlich zu machen. Die Betroffenen sollen, so das Bestreben, für die in vielen Heimen geleistete Zwangsarbeit, sowie für die erlittenen seelischen und körperlichen Misshandlungen und für die sexuelle Gewalt entschädigt werden. Gefordert werden u.a.: Rentenausgleich, Lohnnachzahlungen, Entschädigungszahlungen und eine offizielle, öffentliche Anerkennung des Leides und eine Entschuldigung, ausgesprochen von repräsentativen Personen der evangelischen sowie der katholischen Kirche und des Staates. Der Verein ist parteipolitisch und konfessionell neutral. Satzungsgemäße Ziele des Vereins sind: Ehemalige Heimkinder zu organisieren und unter Berücksichtigung ihre spezifischen Bedürfnisse zu begleiten. Die Situation der ehemaligen Heimkinder in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. In einer Petition 2006 an den Deutschen Bundestag forderte der Verein: die Anerkennung betroffener ehemaliger Heimkinder als Opfer von Menschenrechtsverletzungen; die Regelung berechtigter Forderungen, die sich daraus ergeben; die Ächtung der menschenverachtenden Erziehungspraxis in Heimen während der Zeit von 1945 bis 1975; die Klärung der Frage fehlender Rentenanwartschaften bezüglich erzwungener Arbeit, für die keine Sozialversicherungsbeiträge entrichtet wurden; die Erklärung, dass die in den Heimen verlangte und geleistete Kinderarbeit Unrecht gewesen ist; die Gewährleistung der Finanzierung von Langzeittherapien der Traumata, an welchen viele Betroffene noch heute leiden; die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses unrühmlichen Kapitels in der Sozialgeschichte der Bundesrepublik; eine Anhörung betroffener ehemaliger Heimkinder vor dem Deutschen Bundestag; eine Ausstellung über die Lebenssituation ehemaliger Heimkinder in den Heimen der Zeit von 1945 bis 1975 unter Berücksichtigung ihrer Lebenssituationen nach dem Heimaufenthalt; die Anerkennung der moralischen Schuld des Staates an den Vorfällen in den Heimen während der besagten Zeit, die sich aus der Einweisungspraxis der Jugendämter und der mangelnden Heimaufsicht ergibt; die Schaffung einer unabhängigen Heimaufsicht für alle heute existierenden Heimformen (auch der Altenpflegeeinrichtungen), um zu gewährleisten, dass vergleichbares Unrecht in Deutschland in Gegenwart und Zukunft nicht mehr geschehen kann. Einsichtnahme in Heimakten ehemaliger Heimkinder In einer weiteren Petition wurde an den Bundestag eine Einsichtnahme in Heimakten ehemaliger Heimkinder gefordert, die allerdings mit 500 Unterschriften beendet wurde[2][3] Darin hieß es: „Heimakten und dazugehörige Nebenakten müssen frei und kostenlos für ehemalige Heimkinder zugänglich sein. Diese Petition bezieht sich auf die Akten und Aufzeichnungen kommunaler und kirchlicher Heimträger. Das Recht auf Akteneinsicht darf nicht durch Aufbewahrungsfristen oder Vernichtung der Akten eingeschränkt werden. Hier weist der VEH bewusst auf die Eilbedürftigkeit hin, denn viele Akten werden vernichtet, obwohl die entsprechenden Personen eindeutig die Einsicht der Akte begehren. Das Kirchenrecht darf hierbei nicht über dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland stehen.“ Zur Begründung wurde angegeben: „Juristische Interessen stehen dabei nicht im Vordergrund, da die Kindheit der Suchenden oft schon längere Zeit zurückliegt.“ Heimakten und die entsprechend dazugehörigen Nebenakten, Melde- oder Schulakten sind meistens die einzige Informationsquelle für ehemalige Heimkinder, aus der sie etwas aus ihrer Kindheit, und somit über sich selbst in Erfahrung bringen können. Hier verweist der VEH auf Artikel 2, (1) des GG hin.[4] Zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gehört das Wissen darüber, was in der Kindheit passiert ist, und was zur Unterbringung in einem Kinderheim geführt hat. Eine Verletzung der Rechte dritter sieht der VEH hier nicht. Im Bezug auf die Aufbewahrungsfristen von o. g. Akten hat der VEH die unterschiedlichsten Informationen erhalten. Eine klare Regelung scheint es also hier nicht zu geben. Daher sollte es auch keine Einschränkungen durch Aufbewahrungsfristen geben. Im Bezug auf die Vernichtung von Heimakten ist es für den VEH erstaunlich, wie viele Akten entweder vernichtet wurden, nicht auffindbar sind, oder schlicht diversen Naturgewalten zum Opfer gefallen sein sollen. Hier verweist der VEH auf das § 6, (1 u. 2) BDGS. Nachvollziehbar ist, dass die Archivierung von Akten Platz braucht. Müssen aus diesem Grund Heimakten vernichtet werden, muss dieses die Person entscheiden, über die diese Akte geführt wurde. Ein Vorschlag des VEH wäre, eine solche Heimakte an das entsprechende ehemalige Heimkind auszuhändigen. Bei Desinteresse sollte auf die Vernichtung der Akte hingewiesen werden, ehe diese Vernichtung erfolgt. Im Bezug auf die Eilbedürftigkeit möchten der VEH nicht unerwähnt lassen, dass ehemaligen Heimkindern die Akteneinsicht trotz des Rechts dazu verweigert wird. Schlimmer noch, es werden genau die Akten vernichtet, in die jemand Einsicht nehmen möchte. Nun fragen aber immer mehr ehemalige Heimkinder an, da der VEH auch an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses Themas interessiert ist. Der Artikel 5, (3) des GG besagt: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.[5] Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“ Daher ist nicht nachvollziehbar, warum ehemalige Heimkinder so massive Schwierigkeiten mit der Einsicht ihrer Heimakten haben. Der VEH befürchtet die Vernichtung weiterer Heimakten, und eine wissenschaftliche Aufarbeitung wird somit unmöglich. Im Bezug auf Heimakten, die sich im Besitz der Kirchen befinden, sind diese für ehemalige Heimkinder nahezu unerreichbar. In der einzigen Antwort, die der VEH diesbezüglich erhalten hatte, wurde unter anderem auf das Kirchenrecht hingewiesen. Das Kirchenrecht ist aber ein von Religionsgemeinschaften selbst gesetztes internes Recht. Danach haben diese zwar aufgrund der Verankerung im Art. 140 GG das Recht, innere Angelegenheiten selbst zu klären, jedoch darf das Kirchenrecht hier nicht über dem Grundgesetz stehen. Hier wird auf § 2, (4) BDSG verwiesen. Umkehr der Beweislast In einer weiteren Petition an den Deutschen Bundestag wurde stellvertretend von einem ehemaligen Heimkind für den VEH, die Umkehr der Beweislast gefordert.[6] Darin heisst es: Entschädigungen für den sexuellen Missbrauch und die Misshandlungen in den Schulen und Heimen staatlicher/kirchlicher Träger dürfen nicht auf Einzelfallentscheidungen beruhen, die dem Opfer alleine die Beweislast auferlegen. Viele aussagekräftige Akten sind für die Opfer unerreichbar und da hier keine andere Möglichkeit mehr besteht, die begangenen Straftaten nachzuweisen, muss hier eine entsprechende Umkehrbeweislast gelten. Dieser Petition ging bereits eine Petition voraus, in der vom VEH gefordert wurde, dass Heimakten und die dazugehörige Nebenakten kostenlos für ehemalige Heimkinder zugänglich sein müssen. Dabei wurden sowohl die kommunalen, als auch die kirchlichen Träger mit einbezogen. Schon vor einem Jahr vom VEH auf die Eilbedürftigkeit dieser Petition hingewiesen, da sehr viele Akten mittlerweile im großen Stil vernichtet wurden, obwohl die entsprechenden Personen eindeutig Einsicht begehren/begehrt hatten. Selbst bei noch existierenden Unterlagen wird die Einsicht nach wie vor nicht gewährt, obwohl kaum noch juristische Möglichkeiten vorhanden sind und daher die wissenschaftliche Aufarbeitung im Vordergrund steht. Begründet wird die Verweigerung der Einsichtnahme entweder mit dem Datenschutz, dem Schutz Dritter oder dem Kirchenrecht. Weiter wurden teilweise extrem hohen Gebühren thematisiert, die nach wie vor für die Einsichtnahme oder Nachforschungen erhoben werden. Viele ehemalige Heimkinder und Opfer erhalten Lohnersatzleistungen, was das Aufbringen dieser Gebühren für sie unmöglich macht. Ein weiterer Punkt ist, mit der Vernichtung der Akten wird nicht nur ein Teil des Erlebten vernichtet. Die heute noch z. T. sehr stark traumatisierten Opfer erhalten keine Möglichkeit mehr, das damalig Erlebte aufzuarbeiten. Die jüngsten Medienberichte zeigen nun, dass sich die Situation für ehemalige Heimkinder oder Opfer nicht geändert hat. Es kann nicht statthaft sein, dass ehemalige Heimkinder oder Opfer eine Kompensation des erlittenen Unrechtes / stattgefundenen Missbrauchs per Einzelfallentscheidung zu bestreiten haben, während ihre Beweise mit der Vernichtung ihrer Akten für sie unerreichbar sind. Insbesondere muss eine Beweislastumkehr derart gestaltet sein, dass hierbei möglicherweise zurückgehaltene Akten nicht mehr zur Entlastung der Täterseite verwendet werden dürfen. Das würde rechtsstaatlichen Grundsätzen massiv entgegenstehen.